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Bestandserhebung der Wildkatze im Bereich Weißenkirchen in der Wachau, im Dunkelsteinerwald und im mittleren Kamptal bei Altenburg, NÖ

 

Die Wildkatze (Felis silvestris silvestris Schreber 1775) ist eine der seltensten heimischen Säugetierarten. Ursprünglich im Großteil Europas beheimatet, gibt es heute nur noch aufgesplitterte Restvorkommen. Auch in Österreich war die Europäische Wildkatze früher in weiten Teilen der Klimagunstgebiete Ost-, Südost- und Süd-Österreichs verbreitet, verschwand jedoch Mitte des letzten Jahrhunderts aus den heimischen Wäldern. Seit 1989 wird die Wildkatze in der Roten Liste gefährdeter Tiere Österreichs als „ausgestorben, ausgerottet oder verschollen" geführt. Die Wildkatze gilt als Leitart zur Verbesserung der Lebensraumstruktur und des Biotopverbunds im Wald. Dieser Biotopverbund fördert nicht nur die Wildkatze, sondern kommt auch anderen, zum Teil gefährdeten, Arten zugute, die auf ein Waldverbundsystem angewiesen sind oder eine strukturreiche Waldausstattung benötigen (Rotwild, Igel, Spechte, Eulen, weitere höhlenbrütende Vogelarten, totholzbewohnende Käfer etc.). Die Wildkatze ist in Anhang IV der FFH-Richtlinie genannt und gehört damit zu den europaweit streng geschützten Tieren.

Mit der Einrichtung der Koordinations- und Meldestelle Wildkatze 2009 beim | naturschutzbund | sowie der Arbeitsgruppe „Plattform Wildkatze*“ wurde die Basis gelegt, um zu mehr Informationen hinsichtlich des Bestandes dieses scheuen Wildtieres zu kommen. Dies wurde durch finanzielle Mittel seitens der österreichischen Jägerschaft, dem Lebensministerium (vielfaltleben) und Eigenmitteln des | naturschutzbund | ermöglicht. Ziel ist es, herauszufinden, ob und wo es in Österreich noch oder wieder Wildkatzenpopulationen gibt. Dazu bedient sich die Meldestelle verschiedener Methoden: Über gezielte Meldeaufrufe in Medien sowie der Wildkatzenhomepage werden Wildkatzenhinweise aus dem gesamten Bundesgebiet gesammelt, überprüft, in einer GIS basierten Datenbank dokumentiert und ausgewertet. Diese Hinweise sind wiederum die Basis für Bestandserhebungen in potenziellen Wildkatzengebieten. Zum Aufgabengebiet gehört auch eine konstante Öffentlichkeitsarbeit (Infoabende in der Zielgruppe der Jäger und Förster, Medienberichte, Newsletter, Homepage, Infostände im Rahmen der Woche der Artenvielfalt in Zoos) und Beratung. In den letzten Jahren gelang es, durch Initiativen der Plattform Wildkatze den Wissenstand über die Wildkatze in Österreich zu verbessern. 276 Wildkatzen-Meldungen, davon 26 sichere und 16 wahrscheinliche Nachweise, konnten zwischen 1955 und 2014 dokumentiert werden (Stand: März 2015). Das Bundesland mit den meisten Wildkatzenhinweisen ist Niederösterreich.

 

In weitere Folge ist die Freilanderhebung mit Hilfe von Lockstöcken in Kombination mit Fotofallen unumgänglich, um den konkreten Bestand an Wildkatzen in Regionen zu erheben, in denen vielversprechende Hinweise auf mögliche Vorkommen schließen lassen. An den mit Baldrian besprühten Lockstöcken bleiben Haare hängen, die im Naturhistorischen Museum Wien voranalysiert werden, um Haare von anderen Säugern auszusortieren. Danach werden die Haare genetisch analysiert, um sie als Wild- oder Hauskatzenhaare zu bestimmen. Die Fotofallen werden so platziert, dass die Lockstöcke im Fokus liegen. Ein gutes Foto, das ein Tier mit den typischen Merkmalen einer Wildkatze zeigt (buschiger, geringelter Schwanz, verwaschene Fellzeichnung etc.), ist ein guter Hinweis, aber zumeist noch kein zu 100 % sicherer Nachweis für das Vorkommen einer Wildkatze. Um die Existenz einer Population nachweisen und den Status der Wildkatze in Niederösterreich darstellen zu können, bedarf es also Erhebungen in potenziellen Wildkatzenhabitaten, wie der Wachau und dem Dunkelsteinerwald.

Mehr über das Projekt

Anlässlich des Totfundes einer Europäischen Wildkatze zwischen Weißenkirchen in der Wachau und Weinzierl am Walde 2013 wurde auf Initiative des Naturschutzbundes/Melde- und Koordinationsstelle Wildkatze und in Kooperation mit der lokalen Jägerschaft von Februar bis September 2014 eine Freilanderhebung im betreffenden Gebiet durchgeführt, die mehr Klarheit über die Bestandessituation bringen sollte. Ab August 2014 wurden auch Flächen im Dunkelsteinerwald in die Datenauswertung miteinbezogen.

Am 31. 08. 2014 gelang ganz in der Nähe des Fundortes der toten Katze erstmals der Nachweis einer Wildkatze mittels Fotofallenbild. Nach der Meinung des Wildkatzenexperten Dr. Luca Lapini (Museo Friulano di Storia Naturale Udine, Italien) zeigt das Foto eindeutig eine Wildkatze. Lapini verglich das Bild mit den Fotos aus seiner Datenbank und kam zum Schluss, dass alle äußerlichen Merkmale passen. Damit ist es gelungen, in der Wachau in zwei hintereinander folgenden Jahren eine Wildkatze nachzuweisen. Die Vermutung, dass in der Wachau ein kleines, bisher unentdecktes Vorkommen existiert, ist somit zulässig.

 

Kontakt

*Die Plattform Wildkatze ist eine Kooperation von Naturschutzbund Österreich Nationalpark Thayatal, Tiergarten Wels, Österreichischer Bundesforste AG, Zentralstelle der österreichischen Landesjagdverbände, Alpenzoo Innsbruck-Tirol und Naturhistorischem Museum Wien.

 

Koordinations- und Meldestelle Wildkatze, Plattform Wildkatze c/o | naturschutzbund |

Projektleitung: Ingrid Hagenstein

Projektmitarbeit: Magdalena Meikl, MSc

Tel. +43/(0)662/64 29 09-13

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Mehr Informationen auf: www.wildkatze-in-oesterreich.at und www.naturschutzbund.at (Projekt Wildkatze)

 

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Fotofallen-Bild einer Wildkatze bei Weißenkirchen in der Wachau

vom 31.08.2014 (Foto: Peter Gerngross).

Foto: Dieter Manhart

 

 

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